Ich möchte im folgenden nicht auf die leidige Diskussion eingehen, ob das, was wir heute als Salsa bezeichnen, nun aus Kuba, Puerto Rico oder aus New York kommt (wahrscheinlich haben alle ein bisschen recht). So oder so darf aber behauptet werden, dass der kubanische Son einen wichtigen Beitrag geleistet hat. Ich meine, dass die Salsa-Musik, die wir heute hören, sich im Verlauf der Jahrzehnte in ihrem Wesen eigentlich gar nicht so stark verändert hat. Es wurden dem Son als wichtigstem Vorläufer der Salsa zwar andere Musikstile wie z.B. Jazz, Funk, Rock, Rap, aber auch traditionelle Volksmusikstile anderer lateinamerikanischer Länder wie der Bomba aus Puerto Rico oder der mit Akkordeon begleitete Vallenato aus Kolumbien beigemischt. Dazu kamen auch weitere Instrumente (Posaunen, Elektro-Bass, Schlagzeug etc.). In ihrem innersten Kern (quasi das Grundrezept der Sauce) blieb diese Musik jedoch so, wie man sie schon seit den 20er Jahren (ursprünglicher, klassischer Son) oder zumindest seit 50er Jahren (Son Montuno) in Kuba hören kann. Daran ändert auch nichts, dass dieser "Sauce" in den 60er Jahren in New York der offizielle und heute allseits gebräuchliche Name Salsa verliehen wurde. Der traditionelle Son Cubano bleibt das " Herzstück", das Cora-son der Salsa. In Kuba wurde der Son im Laufe der Jahrzehnte mit vielen anderen musikalischen Stilen vermischt. So entstanden andere wichtige musikalische Stile wie der Cha Cha Cha oder der Mambo, um nur die wichtigsten zu nennen. Trotz dieser eminent wichtigen Rolle des Son Cubano und der anderen kubanischen Musikstile wäre es aber falsch, die Salsa-Musik allein auf Kuba reduzieren zu wollen. Der Son Cubano wurde auch im Ausland begeistert aufgenommen, sei es in Puerto Rico, Kolumbien oder New York (v.a. durch Puertoricaner und Exil- Kubaner ...). Vor allem in New York erfuhr die kubanische Musik der 50er Jahre nach der Machtübernahme Fidel Castros eine eigenständige Weiterentwicklung. Im Schmelztiegel New York vermischten sich Bomba und Plena aus Puerto, sowie Elemente des Swing, Soul und Rock mit dem kubanischen Erbe. Nicht das einzige, aber sicherlich das wichtigste Produkt dieser ständigen Durchmischung ist das, was wir heute als Salsa-Musik bezeichnen. Allerdings kann die Grenze zwischen dem klassischen kubanischen Son und der heutigen Salsa nicht klar gezogen werden. Diese Grenze ist fliessend, zumal die Wortschöpfung "Salsa" (in den 60er Jahren durch Jerry Masucci und Johnny Pacheco bzw. Fania All Stars in New York) ja selbst keinen klar definierten Musikstil bezeichnet, sondern mehr als Oberbegriff dient für eine aus vielfältigen Bestandteilen zusammengesetzte "musikalische Sauce". In Kuba sprach man zu dieser Zeit noch sehr differenziert vom Son, vom Cha-cha-cha, von der Rumba, vom Mambo usw., während man in den USA im Wort "Salsa" eine griffige und für jedermann verständliche Formel fand, um den Nordamerikanern und der restlichen Welt lateinamerikanische Musik schmackhaft zu machen. So haben die Nordamerikaner in den 60er Jahren die Zügel für Marketing und Vertrieb von Salsa-Musik fest in die Hand genommen und damit wesentlich zur Entwicklung und weltweiten Popularität der Salsa beigetragen. |