Im Zeitalter der Individualisierung ("jedem sys Gärtli") besteht ein zunehmendes Bedürfnis, gewisse Sachen wieder zu zweit zu machen. Was liegt da näher als der Paartanz? Er bietet eine wundervolle Möglichkeit, auf zwanglose und unverbindliche Weise mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, ja ihnen sogar körperlich nahe zu kommen. Enio Cordoba, ein bekannter Tanzlehrer aus San Francisco meint dazu: “Dancing is the only place where you can put your hands all over a girl’s body for 5 minutes, and at the end she thanks you for it.” Salsa ist wie viele Tänze afrikanischen Ursprungs in seinem Grundcharakter ein Fruchtbarkeitstanz. Er vereint in sich das ewige Spiel der Verführung zwischen Mann und Frau. Keine moderne Salsa-Variante verkörpert dies wahrscheinlich besser als der kubanische Despelote, denn er ist nichts anderes als ein sinnlicher Ganzkörperflirt mit ziemlich gewagten Posen und Gesten. Tänze mit einem Hang zu Leidenschaft und Sinnlichkeit sind heute aber generell in. Man denke nur an den sinnlichen Tango oder an das eindeutig sexuell motivierte Gehabe einer Madonna oder eines Michael Jackson. Natürlich kann man auch Salsa tanzen ohne das ganze Spiel der Verführung mitzuspielen. Aber: Wenn man Salsa mit anderen Paartänzen vergleicht und man vor allem Latinos tanzen sieht, dann fällt einem schon auf, dass zu Salsa naturgemäß schon viel Körperkontakt gehört. Wer seine Partnerin wie eine Handgranate in den Händen hält (nur möglichst weit weg vom eigenen Leibe), der sei wieder an ein paar treffende Worte von Enio Cordoba erinnert: |